Caltha palustris

Caltha palustris – Regenbestäubung und was die Sumpfdotterblume damit zu tun hat
Oder: was ihre Verwandte in Japan tut
Jetzt blühen sie wieder, die leuchtend goldgelben Sumpfdotterblumen! Für mich eine der deutlichsten Kindheiterinnerungen, weil sie einfach so schön leuchten und als eine der ersten Frühlingspflanzen in dieser Gegend zu finden war. Die Dotterblume gehört zu den Hahnenfußgewächsen und somit zu einer Pflanzenfamilie mit hauptsächlich giftigen Pflanzen.
Früher wurde die an möglichst nassen Standorten wachsende Pflanze allerdings teilweise verspeist, sei es als Kapernersatz (in Essig eingelegte Knospen), als Färbemittel für Wein und Essig (England), oder die Blätter im Salat (Spanien). Es sind mehrere Stoffe enthalten, die zwar nicht extram giftig sind jedoch genug, um Übelkeit, Erbrechen und Hautreaktionen auszulösen: Saponine, Anemonine usw. Wird die Pflanze gekocht verringert sich ein Teil der Giftstoffe, aber ein Teil bleibt erhalten. Stehen sie auf einer Weide, werden sie von Kühen gemieden – im getrockneten Zustand im Heu sind sie allerdings nicht mehr giftig für sie. Früher wurden die schönen gelben Blumen sogar extra dem Futter zugegeben, um die Butter schön gelb zu färben (die Blütenfarbe kommt vom enthaltenen Carotinoid, was sich in Kuhmilch bemerkbar macht). Im Engadin gibt es eine weiße Variante! Hier würde dieser Trick natürlich nicht funktionieren…
Wie ich beim (von mir im Rahmen eines Projektes angebotenen) Käsekurs in Shikaoi/Hokkaido erfahren durfte, wächst eine nahe Verwandte auch hier und wird verspeist! Die Recherche zusammen mit einer Kursteilnehmerin ergab, dass es sich hier um Caltha fistulosa handelt, die in Japan wachsende Variante: „Ezo-Sumpfdotterblume„. Sie wird auch „Yachibuki“ genannt, was wo viel heißt wir „Talpestwurz“ (ähnliche Blattform). Diese gehört tatsächlich zu den wenigen essbaren Hahnenfußgewächsen! Ebenfalls an nassen Stellen (gerne in kalten Gegenden) wachsend, sieht sie ziemlich ähnlich aus wie unserere Sumpfdotterblume, ist aber wohl etwas größer. Verbreitet ist sie in Japan eher in nördlichen Gefilden und Hokkaido, sowie ganz im Osten Russlands und Sachalin sowie den kleinen Inseln Richtung Japan.
Blätter, Stängel und Blüten werden als eines der typischen Frühsommergemüse wild gesammelt! (In Hokkaido müsste ich da jetzt bis Juni warten, da bin ich aber schon wieder woanders… so kann ich leider nur in der Theorie davon berichten…). Sie werden bevorzugt vor der Blüte gesammelt, gekocht und abgespült, um bitteren Geschmack zu entfernen und dann in Salaten, Wokgerichten oder Misosuppe genossen. Die hier ebenfalls wachsende nah Verwandte Caltha palustris var. enkoso wird ebenfalls verspeist.
Die Ainu, die ethnische unterdrückte Minderheit, die Ureinwohner von Hokkaido nennen sie „Ufutouri“. Sie wurde (und wird?) als Bestandteil des Ainu-Gerichts „Ratashikep“ genutzt.
Interessant ist, dass im japanischen Artikel zum Thema Caltha palustris steht, sie sei essbar, somit also auch „unsere“ Sumpfdotterblumen in Österreich. Da stellt sich mir wieder mal die Frage ob bei uns standortbedingt tatsächlich mehr Giftstoffe enthalten sind oder unsere Mägen einfach nur empfindlicher, nachdem sie ja bei uns früher sehr wohl auch verspeist wurde. Allerdings, heißt es später: (Wikipedia): „in dem von Motokichi Satake herausgegebenen Werk „Giftpflanzen Japans“ heißt es hingegen, dass sie „wenn sie groß werden, Vergiftungssymptome wie Durchfall hervorrufen können“.

Das verleitet mich zu der Annahme, dass
1, vor der Blüte weniger giftig (wie es ja beim Scharbockskraut auch der Fall ist),
2, Andre Länder, andre Sitten und
3, nach Abkochung auch besser verträglich. Anscheinend wird sie nämlich auch in Japan eher gekocht verzehrt!
Mein Tipp: lieber die schönen Blüten bewundern! Bei uns sind sie nämlich sowieso geschützt und somit ist eh nur letzteres erlaubt!
Die Regenbestäubung und ebensolch nasse Verbreitung!
Die Sumpfdotterblume wird gern von Insekten (besonders Schwebfliegen) besucht und bestäubt, aber wenn es regnet, füllen sich die Blüten mit dem Regenwasser und es kommt zu einer Selbstbestäubung, weil sich Staubblätter und Narben auf dieselbe Höhe begeben und das Wasser sein übrigens tut (die Staubblätter senken sich nach unten). Werden die Samen in den Ballfrüchten reif, trocknet der kleine Faden, der die schwarzen Samen am Fruchtmantel festhält aus und sie liegen lose in den nach oben gerichteten Sammeltfrüchten herum, bis ein paar gesammelte Regentropfen sie hinausspülen. Da sie schwimmen können (Luftkammern in den kleinen Samenkörnchen) verbreiten die sich dann gern bachabwärts schwimmend.




